Sonntag, 5. September 2010, 13:48 Uhr
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Studie: Kinder und Jugendliche halten sich an Online-Nettikette
München - Deutschlands Kids wissen, wie man sich benimmt - jedenfalls im Internet. Wie der aktuelle Norton Online Family Report 2010 zeigt, sagen etwa drei Viertel der befragten Jugendlichen in Deutschland von sich selbst, sie befolgen die allgemeine Verhaltensetikette für das Internet: keine Beschimpfungen, keine Schikane, kein Mobbing. Noch im Jahr 2009 hatte eine Studie des medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest festgestellt, dass knapp 15 Prozent der Jugendlichen bereits persönliche Erfahrungen mit Online-Mobbing haben und jede(r) Dritte ein Mobbing-Opfer kennt.
Laut dem Norton Online Family Report 2010 scheint die Aufklärungsarbeit unter Jugendlichen nicht ohne Wirkung zu bleiben: Die deutliche Mehrheit gibt inzwischen an, die Regeln der Nettikette - die gebräuchliche Bezeichnung für Online-Benimmregeln - zu befolgen. Besser aufgeklärt als noch vor zwei Jahren sind dem aktuellen Report zufolge auch die Eltern im Hinblick auf die Online-Aktivitäten ihrer Sprösslinge. Für den Norton Online Family Report 2010 wurden weltweit knapp 10.000 Erwachsene und Kinder beziehungsweise Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren befragt.
"Möglicherweise ist die Tatsache, dass sich die meisten Jugendlichen an die Nettikette halten, auch das Resultat eigener Erfahrungen mit Online-Mobbing. Wenn es sich hierbei um einen Lerneffekt handelt, so ist er nicht der einzige. Auch die Eltern haben dazugelernt: Heute wissen sie offensichtlich deutlich besser Bescheid über das Online-Treiben ihres Nachwuchses als noch vor ein bis zwei Jahren", sagt Stefan Osthaus, Symantec Sicherheitsexperte.
Respekt statt Mobbing - sind gute Manieren wieder auf dem Vormarsch?
Schlagzeilen, aber auch Studienergebnisse haben das Bild einer Jugend im Internet gefestigt, bei der Beleidigungen, gezielte Blamagen Anderer und Ähnliches an der Tagesordnung sind. Laut Erhebung des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest wurden von ganzen 42 Prozent der Befragten schon einmal Bilder ohne deren Einverständnis ins Netz gestellt, 14 Prozent wurden online beleidigt - und ein Viertel hat im weitesten Sinn Erfahrungen mit Cyber-Mobbing gemacht. Dass sich laut Norton Online Family Report 2010 nunmehr ganze 72 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen an die Regeln der Nettikette halten, zeigt eine Entwicklung auf, die möglicherweise auch Resultat von Negativerfahrungen ist. Dafür spricht auch, dass sich 67 Prozent bei Mobbing-Angriffen oder Belästigung mittlerweile sofort an Eltern, Lehrer oder sogar Polizei wenden würden.
Eltern und Kinder - die Informationslücke schließt sich
Generell scheinen Eltern und Kinder über das Medium Internet näher zusammengerückt zu sein. Zeigte bereits der letztjährige Symantec Report, dass der Cyberspace als innerfamiliäres Kommunikationsmedium sogar dem heimischen Küchentischgespräch Konkurrenz macht, so haben die Eltern nun offenbar auch besseren Einblick in die Internet-Aktivitäten ihrer Sprösslinge. Zwar glaubt knapp ein Viertel der Kinder, die Eltern hätten keine Ahnung - aber nur sechs Prozent der Eltern sind selber dieser Meinung. 41 Prozent der Kids glauben, die Eltern wüssten "teilweise" Bescheid - 49 Prozent der Eltern sind ebenfalls dieser Ansicht. Darüber hinaus schätzen die Eltern die von ihren Kindern im Internet verbrachte Zeit auf acht Stunden pro Woche, die Kinder und Jugendlichen selbst geben zehn Stunden pro Woche an.
Kids ganz brav im Netz: zuerst die Hausaufgaben
Der Norton Online Family Report 2010 brachte weitere interessante Punkte zu Tage: Zwar verbringt der Nachwuchs nach Ansicht von 79 Prozent der Eltern zu viel Zeit im Internet - nutzt sie scheinbar jedoch ausgesprochen produktiv. So wird von den Jugendlichen bei der Frage nach den häufigsten Beschäftigungen im Internet noch vor dem Chat mit Freunden (52 Prozent) das Anfertigen der Hausaufgaben (62 Prozent) genannt. Das Herunterladen von Musik oder Videos folgt mit einigem Abstand (43 Prozent) auf Platz drei. Platz vier indes ist mit Vorsicht zu genießen: Immerhin 23 Prozent unterhalten sich mit Fremden, also mit ihnen unbekannten Personen - mit den entsprechenden Risiken. Auf Platz fünf schließlich steht Online-Shopping (22 Prozent).
Sicherheit: Naivität und Neugier bleiben die größten Risiken
In Sachen Sicherheit für Kinder und Jugendliche zeigt der Norton Online Family Report 2010 durchaus positive Tendenzen. So befolgen 76 Prozent der Kids eigenen Angaben zufolge die grundsätzlichen Sicherheitsregeln. De facto bestehen aber Lücken: Nur 17 Prozent beachten in der URL das sicherheitsrelevante "s" in der https-Adresse, nur 22 Prozent besuchen vorwiegend vertraute Internetseiten. Zudem entziehen sich viele Kinder der elterlichen Kontrolle, indem sie mit ihrem Mobiltelefon online gehen - 17 Prozent tun es, aber nur sechs Prozent der Eltern wissen darüber Bescheid. Die Folge: Eine klare Mehrheit der Kids hat schon einmal negative Erfahrungen im Netz gemacht, aber nur ein Drittel der Eltern ist darüber mehr oder weniger informiert.
Dr. Friederike Siller vom fragFINN e.V. sagt: "Gerade bei den Kleineren ist es wichtig, dass die Eltern ein waches Auge darauf haben, was auf dem Monitor passiert. Kleinere Kinder können oft nicht abschätzen, was sie gerade aus Neugier angeklickt haben. Umso wichtiger ist Begleitung. Das sollten die Eltern sein, die aktiv 'mitsurfen', aber vor allem auch sichere Startrampen wie die Kindersuchmaschine www.fragFINN.de, die sicher stellen, dass Kinder nur kindgerechte Inhalte im Netz auffinden."
6 Tipps vom Sicherheits-Experten Stefan Osthaus:
1. Erstellen Sie gemeinsam mit Ihren Kindern Regeln zur Nutzung des Internets.
2. Informieren Sie sich über Social Networking und haben Sie ein Auge darauf, wen ihr Kind als "Freund" hinzufügt.
3. Schützen Sie die Passwörter ihrer Kinder - und Ihre eigenen.
4. Überprüfen Sie regelmäßig die Internet-History Ihres Computers.
5. Ermutigen Sie Ihre Kinder, sich sofort an einen Elternteil, Lehrer oder eine andere Vertrauensperson zu wenden, wenn sie sich im Zusammenhang mit etwas, das sie auf dem Computer gesehen haben, unwohl fühlen.
6. Installieren Sie eine Kindersicherung, um Gefahren wie Schadcode oder den Klau von sensiblen Daten zu verhindern.
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